Hintergrund
In Deutschland leiden ca. 650 000 Patienten an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) [1/4] . Genaue Daten über Prävalenz und Inzidenz gibt es in Deutschland nicht. Inzidenz und Prävalenz von CED steigen jedoch weltweit an, was die zunehmende, auch gesundheitsökonomische Relevanz dieser Erkrankungen belegt. [2]
Grundsätzlich sind entzündliche Darmerkrankungen je nach Aktivität und Krankheitsverlauf mit entsprechenden Medikamenten hervorragend behandelbar. In den letzten Jahren wurden neue, innovative und hochwirksame Therapien (Biologika/small molecules) zugelassen. Diese neuen Therapien erfordern eine hochqualifizierte ärztliche Expertise und einen erheblichen Zeitaufwand für die Behandlung.
Jüngste Daten zeigen, dass vor allem die junge Patientengruppe in der Anfangsphase oder in der Mitte ihres Berufslebens suboptimal behandelt wird. Im Durchschnitt dauert es immer noch etwa zwei Jahre vom Auftreten der ersten Symptome bis zur richtigen Diagnose. Dies kann bereits zu irreversiblen Schädigungen des Magen-Darm-Traktes führen. Trotz hervorragender Daten wird immer noch ein erheblicher Teil der betroffenen Patienten über einen langen Zeitraum mit Steroiden behandelt, immunsuppressive Medikamente werden nur selten eingesetzt, ebenso wie Biologika und small molecules. [3]
Durch eine frühzeitige und konsequente Umsetzung aktueller Behandlungsleitlinien könnten Patienten ein hohes Maß an Wohlbefinden erreichen und mögliche Spätfolgen präventiv vermieden werden. Darüber hinaus könnten unnötige Kosten für Therapien, Krankenhausaufenthalte und Operationen vermieden werden. Schließlich würden weniger Arbeitsunfähigkeiten und Frühverrentungen die Volkswirtschaft entlasten. Um dies zu erreichen, ist es Voraussetzung, standardisierte und praktikable Wege für eine bessere Patientenversorgung zu etablieren und zu erfassen.
Aus diesem Grund wurde das erste unabhängige, nationale CED-Register „CEDUR“ ins Leben gerufen, um z.B. durch die methodische Erfassung von Daten zu Therapieeffekten, realen Behandlungsverläufen einschließlich Kosten, pharmakoökonomischen Kosten und Inzidenz/ Prävalenz von CED in Deutschland eine verbesserte Versorgungsforschung zu ermöglichen.
Was sind CED?
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) umfassen die Krankheiten: Morbus Crohn, Colitis ulcerosa sowie Colitis indeterminta.
Letzteres stellt eine Ausschlussdiagnose dar, wenn nicht eindeutig zwischen M. Crohn und Colitis ulcerosa unterschieden werden kann. Diese Erkrankungen betreffen meist junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren und führen v.a. zu Durchfällen und Bauchschmerzen.
Bei Morbus Crohn kann die Entzündung überall im Magen-Darm-Trakt auftreten. Am häufigsten betroffen ist jedoch der Bereich, in dem der Dünndarm in den Dickdarm übergeht.
Bei der Colitis ulcerosa ist nur der Dickdarm entzündet und man beschreibt drei Lokalisationsformen: die Proctitis ulcerosa (nur der Enddarm ist betroffen), die Linksseiten-Colitis (der absteigende Darm ist betroffen) und die Pancolitis (der gesamte Dickdarm ist betroffen).
Woher die Erkrankungen kommen, ist nicht ganz geklärt. Man weiß jedoch, dass eine Mischung aus Genetik, Umwelt, Darmflora und – wenn die Erkrankung einmal ausgebrochen ist – aus negativem Stress eine Rolle spielt. Ursächlich wird vermutet, dass eine komplexe Immunstörung mit gestörter Barrierefunktion des Darms, ein verändertes Darmmikrobiom sowie eine dysregulierte Immunantwort, CED auslösen. Therapeutisch kommen verschiedene Therapieansätze zum Tragen, wie z.B. Immunsenker oder auch sogenannte Biologika/ small molecules.
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Weitere Informationen (externe Links)
Deutsche Morbus Crohn/ Colitis ulcerosa Vereinigung mit u.a. ausführlicheren Erklärungen rund um das Thema CED. Hier geht's zur Website: DCCV e.V
Informations- sowie Vernetzungsangebot von und für Menschen mit CED, der Verein Chronisch Glücklich e.V. Hier geht's zur Website: Chronisch Glücklich e.V.
Artikel des Koloproktologen-Kongress "CEDUR-Register macht patientenberichtete Endpunkte zum Hit". Hier geht's zum Beitrag: CEDUR-Artikel
CEDATA-Register, ein CED-Register der Univesität Gießen für Kinder und Jugendliche (<18 Jahre). Hier geht's zum Register: CEDATA-Register
Deutsches Schwangerschaftsregister für CED der Charite, PRegCED. Hier geht's zum Register: PRegCED


